#StartupReflections

Welchen Inkubator brauchen wir?

5 Fragen, die sich jede Standortförderung stellen sollte, wenn sie einen Inkubator für Jungunternehmen aufbaut

Inkubatoren sind ein potenziell wertvolles Kapital für Städte und Kantone, da sie, wenn richtig konzipiert, zu einem Dreh-und Angelpunkt im unternehmerischen Ökosystem werden können. Vor der Eröffnung eines Gründerzentrums sind jedoch einige grundlegende Fragen zu klären.

Jungunternehmer:innen und Standortförderungen haben ein natürliches Interesse aneinander. Die einen suchen Unterstützung beim Aufbau ihrer Firma, die anderen wollen die langfristige Attraktivität des Wirtschaftsstandorts sichern. Inkubatoren, die Jungunternehmen dabei helfen, ihre Ideen auf den Markt zu bringen, sind in dieser Beziehung zentral.

Gute Inkubatoren haben ein ganzes Bündel von Leistungen im Angebot – die «vier C’s»: «Coworking» (Netzwerk), «Community» (Events und Fortbildungen), «Coaching» (individuelle Beratungsdienstleistungen) und «Capital» (Zugang zu Investoren).

Aber in der Bereitstellung dieses Leistungskatalogs liegt häufig die Krux für die Standortförderer: Wie können sie eine gleichzeitig wirkungsmächtige UND kosteneffiziente Organisation aufbauen?

Der erste Schritt zum Erfolg besteht darin, die richtigen Fragen zu stellen.

1. Welcher Fokus passt zu uns?

Ein Inkubator wird niemals im Vakuum gegründet und sollte sich idealerweise in die bestehende Umgebung einfügen. Die «DNA» des Standorts ist deshalb ein wichtiger Ausgangspunkt in der Konzeption. In einer Gegend mit vielen Hochschulen werden eher Hightech-Start-ups im Vordergrund stehen. Gibt es hingegen eine lokale Tradition in Handwerk und Fertigung, ist ein gewerblicher Fokus denkbar. Auch Geografie kann ausschlaggebend sein, z.B. wenn Bergregionen neue Arbeitskräfte auch mit der Attraktivität ihrer Landschaft anlocken.

Grundsätzlich gilt: Je besser ein Inkubator zu seinem Umfeld passt, desto höher sind die Chancen, dass bereits bestehende Unternehmen davon einen Nutzen haben, sich «Jung» und «Alt» gegenseitig inspirieren. 

2. Welches Ziel soll der Inkubator erfüllen?

Auch langfristige Entwicklungsziele der Region gilt es zu berücksichtigen. Bestehen konkrete, ausformulierte Visionen, oder vor allem Hoffnungen auf neue Arbeitsplätze und fiskalische Einnahmen? Ein gewerblicher Inkubator könnte traditionelle Branchen unterstützen und die lokale Wirtschaft stärken, ein High-Tech-Inkubator die Zukunftstechnologien fördern und globale Ambitionen verfolgen. Gewerbliche Inkubatoren «rentieren» meistens früher. High-Tech-Firmen zahlen hingegen in den ersten zehn Jahren ihres Bestehens kaum Steuern, dafür haben sie in der langen Frist das Potenzial, mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

Beide Modelle haben ihre Berechtigung, doch grundsätzlich sollte die Wahl die langfristige Strategie der Standortförderung reflektieren. In jedem Fall sollten die Erwartungen an den Inkubator bereits in der Planungsphase auf den Tisch kommen und von allen Projektbeteiligten diskutiert werden.

3. Braucht es Räumlichkeiten, und wenn ja, welche?

Für Unternehmen, die sich neu ansiedeln möchten, ist es von grossem Vorteil, wenn sie auf eine Immobilie zurückgreifen können, die nicht nur zu Vorzugskonditionen verfügbar ist, sondern auch eine spezielle Ausstattung aufweist. Dies kann beispielsweise der Zugang zu spezialisierten Laboren für Biotech-Unternehmen sein oder besonders kostengünstige Energieversorgung, die für KI- oder Blockchain-Start-ups wichtig ist.

Einfache Büroräumlichkeiten genügen normalerweise nicht, da sie zu wenig Mehrwert bieten. Auch virtuelle Inkubatoren, die die Bedürfnisse der Start-ups möglichst gut unterstützen, sind eine prüfenswerte Option. 

Gleichzeitig bleibt der Bedarf nach physischen Orten, die über einfache Büros hinausgehen, bestehen. Ein attraktiv gestalteter Co-Working Space kann zu Beginn diese Funktion übernehmen, indem er als zentraler Anlaufpunkt für Austausch und Zusammenarbeit dient und das Netzwerken fördert.

4. Welche Stakeholder sind besonders relevant und wie werden sie einbezogen?

Ein Inkubator ist ein Mikrokosmos mit sehr vielen unterschiedlichen Stakeholdern: Lokale Startups, ausländische Startups mit Expansionswunsch, Unternehmer:innen und ihre Familien, KMUs mit Innovationsbedarf, Grossunternehmen, Universitäten und Fachhochschulen, Immobilienbesitzer, Co-Workings, andere Gründungszentren, internationale Innovations- und Startup-Netzwerke, Branchenverbände und Fachorganisationen, Coaches, Anwälte, Steuerberater, Risikokapitalgeber, Förderstellen von Bund und Kanton und, nicht zu vergessen die Alumni des Inkubators.

Werden die verschiedenen Interessengruppen frühzeitig in die Planung eingebunden, kommen sogar umfangreiche Investitionen in Reichweite, vor allem aber wird durch eine kluge Organisationsstruktur ein leistungsstarkes Paket geschnürt.

5. Mit welchem Leistungskatalog gehen wir an den Start?

Nach der Klärung der organisatorischen, finanziellen und rechtlichen Fragen darf die Produktentwicklung nicht zu kurz kommen: Welche Angebote sollen ab dem Start zur Verfügung stehen, welche mit der Zeit hinzukommen? Selbstredend müssen sie auf die Bedürfnisse der anvisierten Start-ups zugeschnitten sein. 

Der Businessplan des Inkubators sollte zumindest die ersten drei Jahre abdecken. 

Fazit

Eigentlich ist alles ganz einfach: Der erfolgreiche Aufbau eines Inkubators folgt ähnlichen Spielregeln wie die Gründung eines neuen Unternehmens. Der Inhalt ist am Anfang wichtiger als die Form - und die beste Basis für langfristiges, nachhaltiges Wachstum.